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Einzelsitzungen statt Gruppenarbeit

Alkoholprobleme, Beziehungsstress oder Lebenskrisen sind niemals bei allen gleich. Sie unterscheiden sich in ihrer Entstehung, ihrem Ausmaß, ihrer Auswirkung, haben unterschiedliche Auslöser, Funktionen und Einflussfaktoren.

So schön solidarisch es sich in Gruppen anfühlt und so sehr man sich angesichts ganz ähnlicher Schicksale auch verstanden fühlt, so sehr kann dieser Kontakt aber auch belastend, wenn nicht sogar stigmatisierend wirken. In der Hauptsache sind es Einzelgespräche, die einen um neue Impulse und Perspektiven bereichern.

Will man sein Problem lösen, dann muss man auch individuelle Strategien erarbeiten. Dieses kann unmöglich in einer Gruppe entstehen, insbesondere nicht, wenn diese – wie es leider z.B. in der Suchttherapie häufig zu finden ist – durch ehemalige Betroffene und Co-Abhängige geleitet wird.

Die meisten Einrichtungen der Alkoholtherapie bevorzugen Gruppenarbeit unter dem Vorwand der Gruppendynamik, als Beitrag zur Gesundung und Lösungsfindung. In der Regel sind es Teilnehmer die schon vieles probiert, aber keinen Ausweg aus der Alkoholproblematik kennen. Dagegen sind Teilnehmer, die ihre Lösung gefunden haben und somit eigentlich zur Unterstützung der Betroffenen beitragen könnten, nicht anwesend. Da stellt sich die Frage, welche Dynamik entstehen soll wenn alle Beteiligten der Gruppe keine Lösung aus ihrem Dilemma kennen. Denn eigentlich begeben sich Betroffene für mehrere Wochen in eine Einrichtung um zu erfahren, „wie“ ein Ausweg aussehen kann und nicht um zu erfahren was auch bei anderen nicht funktioniert hat.

Wir denken, das erst nach einer erfolgreichen Therapie eine Gruppenarbeit z.B. in Form einer Selbsthilfegruppe Sinn macht. Sie soll der weiteren Motivation, Festigung und Stabilisierung dienen. Ganz klar sind die Voraussetzungen eines jeden Betroffenen verschieden und Menschen lassen sich generell nicht alle über einen Kamm scheren. Vermutlich wird es zahlreiche Betroffene geben, für den aus irgendwelchen Gründen, Gruppenarbeit nicht der richtige Weg ist.

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