Die Methode

Der Weg in die Alkoholunabhängigkeit 

Die autoregulative Intensivmethode zur Alkoholbewältigung

In der konventionellen Therapie der Alkoholabhängigkeit wird bei Therapiebeginn immer noch die absolute Abstinenz vorausgesetzt. Der Betroffene muss also das, was die Therapie eigentlich zum Ergebnis haben soll, gewissermaßen „in Vorleistung“ erbringen. Eine gewaltige Hürde, die vielen Betroffenen aus ihrer meist langjährigen Abhängigkeit heraus als unüberwindbar erscheint. Die Folge ist, dass eine hohe Anzahl von Betroffenen die Therapie entweder sehr spät, oder noch schlimmer überhaupt gar nicht in Betracht zieht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mehrzahl der Betroffenen gar nicht für immer abstinent leben möchte. Eine Zeit lang vielleicht, aber selten für den Rest des Lebens. Meist würden die Betroffenen viel lieber einen moderaten, gesundheitlich unbedenklichen Umgang mit dem Alkohol wiedererlernen können. Die Frage der persönlichen Identifikation mit dem Therapieziel ist für den langfristigen Erfolg der Therapie sehr wesentlich. Vielerorts wird jedoch den Betroffenen immer noch eingeredet, dass Alkoholismus unheilbar wäre und Abstinenz die einzige Möglichkeit sei, die Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Selbst im positiven Fall, d.h. wenn die Abstinenz begonnen und für die Dauer der Therapie durchgehalten wird, sehen sich die Betroffenen anschließend wieder mit Ihrem Lebensalltag konfrontiert und fallen dort rasch wieder in alte Verhaltensmuster. Sie begegnen zudem ihrem gewohnten sozialen Umfeld, welches in der Regel nicht alkoholfrei ist. Sie fühlen sich dort als trockene Alkoholiker „geoutet“ und stigmatisiert. Die Abstinenz wird durch die Betroffen nicht wirklich „freiwillig“ gewählt, sondern eher als „letzte Option“ oder „Notbremse“ zähneknirschend in Kauf genommen. Doch mit einer angezogenen Bremse lässt es sich offenbar nur schwer durchs Leben gehen. Diese unfreiwillige Form der Abstinenz ist innerlich ambivalent, recht fragil und die Rückfallwahrscheinlichkeit  ist regelrecht entmutigend. Die Statistik zeigt, dass der allergrößte Teil der Betroffenen, d.h. rund  90%, spätestens im zweiten Jahr ihrer Abstinenz wieder rückfällig wird. Weiter lehrt die Erfahrung, dass die Betroffenen selbst nach jahrelanger Abstinenz sofort wieder zu ihren alten hohen Alkoholmengen zurückkehren. Abstinenz bringt die Alkoholkrankheit zwar eine Weile zum Stillstand, vermag sie jedoch nicht zu heilen.

Modernere Therapieformen, welche diese erheblichen Einschränkungen der Abstinenztherapie nicht länger ignorieren, arbeiten nach dem Ansatz durch „planvolles“ Trinken die zugeführte Alkoholmenge im Sinne der Schadensvermeidung zu reduzieren. Dies kommt vielen Betroffenen entgegen, da nur die Wenigsten aus freien Stücken ein abstinentes Leben anstreben. „Kontrolliertes Trinken“ (KT) oder auch Reduktionstherapien, in denen schrittweise immer weniger getrunken werden soll, stellen solche Therapieformen dar. Diese sind sicher weit näher an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Betroffenen orientiert als die Abstinenztherapie, doch auch hier lauern auf längere Sicht erhebliche Rückfallgefahren. Die Problematik dieser Ansätze ist, dass die Kontrolle über die Trinkmenge rein rational „über den Kopf“ und nicht intuitiv, aus dem Körpergefühl heraus vorgenommen wird. Wie vermutlich jeder Betroffene aber aus seinem Alltag bestätigen kann, entzieht sich die Kontrolle über die Trinkmenge jedoch jeder rationalen Überlegung. Genau deswegen ist es ja außer Kontrolle geraten. Die Erkenntnis allein ändert daran recht wenig. Trinkpläne und Trinkprotokolle sind Hilfsmittel, die ständige Konsequenz und Disziplin erfordern. Dies jedoch sind  Anforderungen, die sich mit einer modernen, entspannten und ungezwungenen Lebensweise leider nicht gut vereinbaren lassen. Müssen sie im Grunde aber auch nicht, denn nicht die Ratio, sondern vielmehr die eigene Körperwahrnehmung spielt in der Selbstregulation die wesentliche Rolle. Diese war jedoch nicht Gegenstand der bisher erwähnten therapeutischen Verfahren.

Genau hier setzt unsere autoregulative (durch Selbststeuerung bewirkt) Intensiv-Methode an. Dieses Verfahren besteht aus 2 Komponenten, einer leicht einzuhaltenden Trinkregel und einem Erklärungsmodell zur Entstehung der Alkoholsucht.  Begrenzt wird nicht die täglich konsumierte Alkoholmenge sondern legt eine individuelle prozentuale Obergrenze für den Alkoholgehalt und Regeln für das konsumieren der Getränke fest. Das wirkt rein autoregulativ, das bedeutet, die Trinkmenge reduziert sich von selber über die Wochen. Es gibt keine Trinkpläne, keine Trinkprotokolle und auch keine Zielvorgaben. Der Fortschritt ist immer ganz individuell, aber dennoch in den allermeisten Fällen sehr stetig. Meistens wird die konsumierte Menge schon nach wenigen Wochen extrem reduziert. Dadurch, dass es keine festen Vorgaben zu den Trinkmengen gibt, kann der Betroffene die Regulation und somit die Kontrolle überhaupt erst wieder erlernen: Selbstregulation kann nur dann wiedererlernt werden, wenn auch selber reguliert werden darf!

Das dazugehörige Erklärungsmodell liefert hierzu ein ganz wesentliches Hilfsmittel, eine Art innerer Kompass, der als Maßstab der Veränderung und zur ständigen Orientierung eingesetzt werden kann, den sogenannten „Rauscheintrittspunkt“. Die Betroffenen sind gegenüber den Nicht-Betroffenen dadurch gekennzeichnet, dass diese das Gespür für diesen Punkt über die Jahre des Trinkens verlernt bzw. dissoziiert haben. Infolgedessen fehlt ihnen das Mittel zur Regulation des Alkoholkonsums. Durch Trinken nach bestimmten Trinkregeln wird der Rauscheintrittspunkt wieder „Re-sensibilisiert“ und der Betroffene lernt rein intuitiv die zugeführte Alkoholmenge wieder aus sich selbst heraus zu steuern. Wie für Nicht-Betroffene ist es für die Betroffenen irgendwann wieder möglich sich bewusst zu entscheiden, ob sie an einem Tag den Rauscheintrittspunkt überschreiten wollen, oder nicht. Bleibt man in seinem Trinkverhalten in der Regel fortan vor dem Rauscheintrittspunkt (seltene Ausnahmen sind ausdrücklich erlaubt) besteht keine Gefahr wieder erneut an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken. Ein Mensch wird (egal aus welchem Anlass er trinkt) dann alkoholabhängig, wenn er zu lang, zu oft und zu viel Alkohol trinkt, d.h. wenn für eine zu lange Phase im Leben, regelmäßig der Rauscheintrittspunkt überschritten wird. Wie in anderen Wahrnehmungsbereichen auch löst ein ständiges Überschreiten von körperlichen oder seelischen Grenzen Dissoziations-Prozesse (=Abspaltung) aus, d.h. die Wahrnehmung wird eingeschränkt bis hin zu einem „nicht mehr spüren“. Die Heilung besteht hier immer in der „Re-sensibilisierung“ dieser abgespaltenen Wahrnehmung, wie in unserem Fall der des Rauscheintrittspunktes. Nicht-Betroffene kennen diesen Punkt offenbar intuitiv, wie man nach kurzer Befragung schnell feststellen kann.


Intensivtherapie & Coaching hebt sich gegenüber den herkömmlichen Therapiemethoden durch folgende Eigenschaften ab:

Systemisch – Systemik verbietet grundsätzlich nichts, sondern sie gibt den Dingen einen neuen Rahmen und versucht „gesund“ zu integrieren. Alkohol ist kein Heilsbringer, er ist aber auch kein Teufelszeug. Es kann einen angemessenen Platz dafür im Leben geben. Man kann Alkohol trinken, ohne dass dieser einen notwendigerweise im Gegenzug „auffressen“ muss. Systemisch paradox beginnt der Wandel eigentlich ganz unglaublich mit: „Trink doch soviel Du willst!“

Zieloffen – Zunächst wird die Abhängigkeit durch das Trinken nach der Methode beseitigt (schon nach einigen Monaten, variiert individuell). Anschließend kann sich der Betroffene frei entscheiden, ob er weiter nur noch nach der Methode trinken will, ob er abstinent werden leben möchte, oder ob er das „normale“, gesundheitlich unbedenkliche Trinken praktizieren will.  Diese Frage kann tatsächlich nur außerhalb einer bestehenden Abhängigkeit beantwortet werden, da sie den freien Willen erfordert.

Niedrigschwellig – Abstinenz und der drohende endgültige Abschied vom Alkohol machen den Betroffenen in der Regel Angst. Intensivtherapie & Coaching erfordert jedoch weder Abstinenz, noch hat es diese notwendigerweise zum Ziel. Es darf nach Regeln weitergetrunken werden. Der Einstieg in die Therapie fällt daher vergleichsweise leicht.

Autoregulativ – Es gibt keine Trinkpläne, keine Trinkprotokolle, keine Fremdkontrolle, keinen Erfolgsdruck. Es muss eine einzige Trinkregel befolgt werden und die Reduktion der täglichen Alkoholmenge geschieht gewissermaßen „von selbst“. Der Körper reguliert von innen, ohne dass dazu „Kopfarbeit“ erforderlich ist.

Heilend – Intensivtherapie & Coaching hat das Ziel der kompletten der Alkoholunabhängigkeit. „Ungeplant  abstinente Tage“ schleichen sich mit der Zeit der Anwendung der Methode ein und werden zunehmend häufiger, bis diese irgendwann die überwiegende Mehrzahl der Tage ausmachen. Der Betroffene merkt es aus sich selber heraus, wenn der Heilungsprozess abgeschlossen ist!

Überprüfbar – Der Rauscheintrittspunkt geht wieder in das Körpergefühl des Betroffenen über. Dieser allein gibt dem Betroffenen die Sicherheit rechtzeitig stoppen zu können und stets die freie Entscheidung zu haben. Solange dieser gespürt und nicht leichtfertig wieder tage- oder wochenlang täglich überschritten wird, wird der Betroffene auch nicht wieder alkoholabhängig. Einzelne Überschreiter schaden nicht, solange diese selten bleiben.

Nachhaltig – Das allseits so oft verfluchte Suchtgedächtnis – nach Durchführung der Methode arbeitet es endlich für den Betroffenen und nicht mehr gegen ihn! Die Nachhaltigkeit der Methode ist der Nachweis eines echten Heilungsprozesses.

Ärztliche Betreuung – Auf Wunsch kann optional Ihr Aufenthalt bei uns durch unseren Arzt medizinisch begleitet und betreut werden.

Unsere Autoregulative Intensivmethode als Bestandteil unserer 5-7 Tage Intensivtherapie & Coaching befindet sich derzeit in einer Erprobungs- und Evaluationsphase in enger Zusammenarbeit mit der Humboldt Universität zu Berlin. In einer Pilotstudie wurden Daten alkoholabhängiger Personen, die die autoregulative Intensivmethode praktizieren (alle Probanden sind unsere Klienten), systematisch erfasst und nach wissenschaftlichen Standards durch Absolventen des Studienganges Psychologie ausgewertet. Erste Ergebnisse hierzu werden noch in 2017 erwartet, sie erscheinen bisher nicht nur sehr ermutigend, sondern weisen gravierende Erfolge auf. Weitere wissenschaftliche Arbeiten werden folgen, da die zur Verfügung stehende Datenbasis von Woche zu Woche wächst und verständlicherweise insbesondere die Langzeitwirkung von Interesse ist. Das Projekt wird dabei durch einen renommierten Experten auf dem Gebiet der Alkoholabhängigkeit begleitet.

Dezember 2017