Ablauf und Inhalte der 5-7 Tage Intensivtherapie & Coaching

Das Gesamtkonzept

Die Alkoholsucht hat in der Regel zwei an ihrer Entstehung beteiligten Komponenten, eine psychische und eine physische. Da beide stark und dynamisch miteinander wechselwirken, gilt es in der Therapie diese gleichzeitig und mit gleicher Gewichtung zu betrachten. Infolgedessen muss eine Therapie, die nachhaltig sein soll, für beide Anteile gleichermaßen passende Interventionen bereitstellen. Die Erfahrungen mit der Alkoholsucht zeigen, dass die körperliche Symptomatik sowie die Mechanismen zur Suchterhaltung bei den Betroffenen (mit leichten Varianten) im Grunde relativ ähnlich verlaufen. Demgegenüber sind die psychischen Begleitumstände und sozialen Komplikationen der Alkoholsucht (z.B. problematisches Umfeld, Isolation, Gewalt) wohl zwischen keinen zwei Betroffenen dieselben. Infolgedessen stellt Intensivtherapie & Coaching eine relativ homogene Lösung für den körperlich-stofflichen Aspekt der Alkoholsucht bereit (NES- und MFT-Verfahren, die autoregulative Intensivmethode zur Alkoholunabhängigkeit), während die psychische Komponente durch einen hochgradig individualisierten, therapeutischen Intensiv-Workshop abgedeckt wird, welcher die Lösungen ganz gezielt im System des Betroffenen sucht.

Ablauf der 5-7 Tage Intensivtherapie & Coaching

Herkömmliche Therapieangebote dauern drei oder mehr Wochen, bestehend aus einem starren Programm mit nur wenigen Einzelsitzungen, überproportional viel Gruppenarbeit, Reiki, Malen nach Zahlen, Töpfern usw., in das der Betroffene „hineingepresst“ wird und sich anpassen muss. Die Individualität des Betroffenen in seinem sozialen Gefüge spielt dabei keine oder nur eine untergeordnete Rolle da das Alkoholproblem völlig isoliert betrachtet wird anstatt im Gesamtkontext. Mag sein, dass man sich nach diesen Wochen körperlich wieder fit fühlt, doch das Wesentliche, die so wichtige „individuelle“ Lösung bzw. die passende Bewältigungsstrategie, kann hierbei nicht gefunden werden.

Intensivtherapie & Coaching verzichtet auf so ein „Beschäftigungsprogramm“ und arbeitet stattdessen von Beginn an mit intensiven Einzelsitzungen an der Lösung des Problems. Dabei wird sich zu 100% an den individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten des Betroffenen sowie den Einflüssen seines sozialen Umfelds orientiert und sein Lebenspartner, falls vorhanden, in die Sitzungen immer mit einbezogen. Ein Alkoholproblem kann niemals isoliert betrachtet werden. Es ist eingebettet in Ängsten, Beziehungsstress, Rückzug aus dem Freundeskreis und bewirkt Stress im sozialem Umfeld und der Arbeitswelt. Die Bewältigung des Alkoholproblems und dessen Auswirkungen auf Familie, Beruf und Umfeld ist nur erfolgreich und nachhaltig möglich wenn alle Aspekte in die Lösung mit einbezogen werden.

Im ersten Teil der 5 – 7 Tage Intensivtherapie & Coaching wird der gesamte Kontext derAlkoholproblematik untersucht. Berücksichtigt werden dabei möglichst alle psychischen und psychologischen Faktoren, die Irrungen und Wirrungen im Leben des Betroffenen und seine familiären oder umfeldbedingten Einflussfaktoren. Nur wenn das gesamte Bild betrachtet wird, kann eine individuelle und erfolgversprechende Lösungsstrategie in den Alltag  des Betroffenen intergriert werden.

Im zweiten Teil der 5 – 7 Tage Intensivtherapie & Coaching wird ein auf den Betroffenen und seiner individuelle Situation abgestimmtes „Trinkverhalten“ nach einer „sich selbstregulierenden Intensiv- Methode“ vermittelt. Auch hier ist uns die Orientierung an den individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Betroffenen und seinem direkten Umfeld von größter Wichtigkeit.

Im dritten Teil der 5 – 7 Tage Intensivtherapie & Coaching geht es um die erste Hilfe im Falle einer Krise oder Rückfalls. Diese kann unmittelbar unter Anwendung eines sogenannten „Notfallkoffers“ wirksam werden. Gemeinsam mit dem Therapeuten wird dazu eine Schrittliste erarbeitet, welche die Betroffenen und die jeweiligen Lebenspartner im Falle der Krise (Rückfall in altes Trinkverhalten/bzw. „Rückblick“) gemeinsam abarbeiten können, um sofort gegenzusteuern und die Tragweite der Folgen zu mildern. Zu erwartende Komplikationen müssen vorhergesehen und durchdacht werden und mit den passenden Notfall-Maßnahmen versehen werden.

Nachhaltigkeit erfordert auch Prävention. Im vierten Teil der 5 – 7 Tage Intensivtherapie & Coaching geht es um die so wichtige Nachbetreuung und Begleitung nach der 5 – 7 Tage Intensivtherapie & CoachingZum Schluss gehen Betroffene und sein Lebenspartner mit vollen Händen nach Hause, ausgestattet mit Unterlagen über unsere besprochenen Inhalte, Lösungen, Konzepte und Zielen. Diese sollen der Orientierung, Stabilisierung und Aufrechterhaltung dienen, zum Nachlesen und Erinnern. In der Regel beinhalten es auch die Möglichkeit der telefonischen Nachsorge durch den Therapeuten, ohne zeitlicher Begrenzung.

Wir begleiten Sie nach den 5 – 7 Tage Intensivtherapie & Coachingindem wir über die nächsten Wochen und Monate hinweg regelmäßig telefonisch in Kontakt bleiben, nicht nur damit wir Sie im Fall einer Krise jederzeit unterstützen sondern auch um den Erfolg mit Ihnen teilen können.

Inhalte der 5 bis 7 Tage Intensivtherapie & Coaching

Es scheint ein wenig in der Natur des Menschen zu liegen sich gelegentlich berauschen zu wollen, sei es um positive Emotion zu verstärken, sei es um negative Emotion abzuschwächen oder zu unterdrücken. Letzteres birgt immer die Gefahr der Abhängigkeit, nämlich immer dann, wenn unerträgliche Gefühle für längere Zeit ausschließlich auf diese Art „behandelt“ werden. Im Falle von Alkohol als Rauschmittel ist die Falle gleich doppelt ausgelegt, da der Mensch im Verlaufe des Missbrauchs irgendwann sowohl mit einer körperlichen, als auch mit einer psychischen Abhängigkeit antwortet. Die körperliche Abhängigkeit kann mit den von uns vermittelten Selbstregulations-Maßnahmen meist gut in den Griff bekommen werden, ja sogar vollkommen zurückgebildet werden. Die psychische Seite der Abhängigkeit gestaltet sich bei weitem komplexer, da diese mit dem gesamten System des Betroffenen interagiert: Beziehung, Familie, Freunde, Arbeits-, Wohn- und Lebenssituation, Kulturkreis, Herkunfts-Familie und vieles mehr. Weiter haben im Leben erworbene Glaubenssätze, Erfahrungen wie auch antrainierte Verhaltensmuster großen Einfluss auf den Therapieverlauf. Es ist im Rahmen dieser Dartsellung unmöglich eine umfangreiche „Therapieanleitung“ für Alkoholsüchtige bereitzustellen. Einerseits, weil es „den Alkoholsüchtigen“ aufgrund der Vielfalt der zu betrachtenden systemischen Dimensionen nicht gibt, andererseits, weil die Dynamik des Therapieverlaufes und die damit einhergehenden spontan gewählten Interventionsformen niemals vorab determinierbar sind. Es geht hier also im Wesentlichen darum, die Motivation für die gewählte Interventionsform zu erläutern, deren Rahmen und Randbedingungen festzulegen sowie wichtige Hinweise zu einigen der typischen zu erwartenden Komplikationen im Therapieprozess darzustellen.

Aufgrund der hohen Komplexität der jeweiligen psychischen Präferenz zur Alkoholsucht und der starken Verstrickung seiner Entstehung und Koexistenz mit dem sozialen Umfeld wird die systemische Intervention hier als die geeignetste betrachtet. Sich ständig „berauschen“ zu müssen oder zu wollen ist nicht nur ein individuelles Symptom eines Betroffenen, sondern Ausdruck der Unausgewogenheit des dahinter stehenden Systems. Die meisten Systemkomponenten entziehen sich dabei dem „therapeutischen Zugriff“, aber alle sind indirekt beeinflussbar über die Beziehungen des betroffenen Klienten zu diesen „Komponenten“ (über Haltungen, Kommunikation und Handlungen). Über die spezifischen Ressourcen des Klienten (= Fähigkeiten, Eigenschaften, Möglichkeiten) können sinnvolle Maßnahmen abgeleitet werden die systemischen Auslöser des Trinkens zu schwächen. Über das sogenannte „Refraiming“ und zirkuläre Betrachtungen können Haltungen und Glaubenssätze und Perspektiven des Klienten verändert oder aufgelöst werden, die direkt oder indirekt zum Trinken führen, über kongruente Kommunikation können Missverständnisse und Blockaden im System ausgeräumt werden, welche die Motivation zum Trinken bisher genährt haben. Da das therapeutische Ziel einigermaßen klar ist, nämlich das System so zu verändern, dass der Betroffene am Ende weit weniger Alkohol trinkt/bzw. trinken muss, bietet sich im Grundsatz erstmal  eine lösungs- und ressourcenorientierte systemische Vorgehensweise an (weitere Perspektiven kommen, je nach Komplexität des Falles bei Bedarf hinzu).

Einbeziehung des Lebenspartners

Unter den oben geschilderten Systemkomponenten gibt es jedoch eine, die einerseits am stärksten mit dem Betroffenen wechselwirkt und auf die zum anderen ausnahmsweise sogar „direkter Zugriff“ im therapeutischen Sinne möglich ist: Der Lebenspartner des Betroffenen. Meistens ist der Lebenspartner nicht nur eine wichtige Informationsquelle für den Therapeuten, sondern ist dieser in der Regel von der Erkrankung mit betroffen bzw. „co-abhängig“, so dass es nicht nur sinnvoll, sondern auch durchaus erforderlich ist, diesen in die therapeutische Intervention direkt einzubeziehen. Lebenspartner leiden mit und verzögern oder beschleunigen Veränderungs- und Heilungsprozesse. Sie eskalieren oder deeskalieren, motivieren oder demotivieren, manipulieren oder intervenieren meist ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. In jedem Fall verstärken sie sowohl den Leidens- als meist auch den Handlungsdruck. Oft sind sie sogar diejenigen, die das Problem offenbaren und anstelle der Betroffenen nach Hilfe suchen. Intensivtherapie & Coaching bezieht den Lebenspartner nach Möglichkeit immer mit ein. Hierdurch bieten sich folgende Vorteile für den Therapieverlauf:

  1. Abgleich Eigen- und Fremdwahrnehmung im Kontext des Trinkverhaltens
  2. Beziehungsdynamik in der Krise (-> Einflüsse auf das Trinkverhalten?)
  3. Unterstützung in der Umsetzung der Interventionen im Alltag
  4. Erste Hilfe im Falle der Krise oder des „Rückblicks“
  5. Einbeziehung der Bedürfnisse des Co-Abhängigen, „Co-Heilung“

Punkt 1 zielt auf das Problem ab, dass die Modalitäten des eigenen Trinkverhaltens dem Betroffenen oft nicht genug bewusst sind, d.h. bestimmte „Trink-Auslöser“, tatsächlich konsumierte Mengen, die dabei vorherrschenden Stimmungen und soziale Verstrickungen aller Art nehmen die „Co-Betroffenen“ ganz anders, oft sogar deutlicher wahr als der Betroffene selber. Es ergibt sich in der gemeinsamen Sitzung für den Therapeuten ein bei weitem objektiveres und vollständigeres Bild als dies ohne den Lebenspartner möglich wäre.

Punkt 2: In den meisten Fällen ist der Partner am Trinkverhalten des Betroffenen (insbesondere in Paar- bzw. Ehekrisen) indirekt mitbeteiligt. Diese Abhängigkeiten und Wirkmechanismen im vorliegenden Paarsystem gilt es aufzudecken und im Sinne der Reduktion der Trinkauslöser zu verändern oder gänzlich aufzulösen. Dabei spielen „gesunde Abgrenzung“ und Deeskalationsstrategien eine wichtige Rolle.

Punkt 3: Die Wirksamkeit einer therapeutischen Intervention lebt immer davon inwieweit diese im Alltag des Klienten umgesetzt werden kann bzw. umgesetzt wird. Oft verblassen Einsichten, Ansichten und Willensbekundungen aus dem Therapieraum schnell in der zu Anfang noch grauen und „problemschweren“  Alltags-Wirklichkeit des Betroffenen. Hier kann der Lebenspartner als wichtiger Assistent des Therapeuten und des Betroffenen fungieren um Erinnerungen an beschlossene Veränderungen lebendig zu halten und an der erfolgreichen Umsetzung mit ungetrübtem Geist und hoher Motivation mitzuwirken.

Punkt 4 eröffnet die Möglichkeit des Lebenspartners sofort im Sinne eines „Erste-Hilfe-Koffers“ tätig zu werden. Gemeinsam mit dem Therapeuten wird eine Schrittliste erarbeitet, die der Betroffene und der Lebenspartner im Falle der Krise (Rückfall in altes Trinkverhalten/bzw. „Rückblick“) gemeinsam abarbeiten um sofort gegenzusteuern und die möglichen Folgen abzumildern. Der Betroffene ist oft selber situativ bedingt nicht (oder nicht mehr) dazu in der Lage, da Alkohol die kognitiven Fähigkeiten temporär stark einschränkt. Hier kann der Lebenspartner entsprechend aktiv werden und ist damit somit zudem nicht seiner eigenen Ohnmacht gegenüber der Erkrankung des Partners ausgeliefert.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Intensivtherapie ist die Einbeziehung es jeweiligen Lebenspartners oder einer engen Bezugsperson (z.B. Familienangehöriger, bester Freund/in) in die Therapie. Punkt 5 berührt daher die Vulnerabilität (Verwundbarkeit oder Verletzbarkeit) und seelische Verfassung des durch die Abhängigkeit des Betroffenen psychisch mitleidenden Lebenspartners. Es werden Ideen und Strategien erarbeitet, die den „Co-Betroffenen“ emotional schützen, abgrenzen und entlasten. Externe Hilfesysteme können dabei aktiviert werden. Auch ist es möglich Interventionen festzulegen oder durchzuführen, die ausschließlich der seelischen Genesung des Co-Betroffenen dienen, wie z.B. auch Einzelsitzungen. Oftmals sind Trinkauslöser und/oder Beziehungskonflikte für den Betroffenen bzw. dem Lebenspartner auch über die Beziehungsdynamik gegeben, so dass gemeinsam erarbeitet werden kann, wie alte Muster durchbrochen werden können und die erforderliche Entlastung, insbesondere auch für den Lebenspartner oder nahen Angehörigen, geschaffen werden kann. Die Mitwirkung der Lebenspartner bzw. enger Bezugspersonen hilft zudem ungemein die Erfolge und die Zuversicht aus dem Therapieraum tatsächlich erfolgreich in den Alltag zu tragen.

Intensivtherapie & Coaching im individuellen Einzelsetting

Herkömmliche Suchtherapie wird häufig im Gruppensetting durchgeführt. Einzelarbeit kommt daher immer zu kurz. Wenn Einzelsitzungen anberaumt sind, dann meistens in größeren zeitlichen Abständen (1-2 mal die Woche) und meistens relativ kurz (1h).

Im Rahmen der Intensivtherapie & Coaching reist der Betroffene zusammen mit seinem Lebenspartner in die unmittelbare Nähe der Praxis des Therapeuten, in eine eigens dafür vorgesehene komfortable Gästewohnung. Dadurch ist der Betroffene erst einmal raus aus seinem gewohnten Alltag und Umfeld  und hat die Möglichkeit sich auf sich und sein Alkoholproblem zu konzentrieren. Die folgenden 5-7 Tage werden dann variierend mit 4-6 täglichen individuellen Therapiesitzungen von 1-2 Stunden Dauer verbracht. Dies richtet sich ganz nach den Wünschen und der augenblicklichen Verfassung des Klienten. Bei allen Therapiesitzungen ist der Lebenspartner in der Regel zugegen.

Gerade eine Suchterkrankung erfordert beim Betroffenen das sofortige Umschwenken auf einen „neuen Kurs“. Kleine, schwache oder schleichende Veränderungen werden meist von dem mächtigen Suchtsystem, in dem allein der  Alkohol die Regeln vorzugeben scheint, konterkariert. Daher ist es wichtig ein ganzes Bündel physischer und psychischer Intervention in kurzer Zeit nachhaltig in das Leben des Betroffenen zu tragen und gleichzeitig bei ihm den erforderlichen „seelischen Impact“ zu erzeugen, der nötig ist, sich aus der suchtbedingten Ohnmacht heraus eine solch gewaltige Änderung überhaupt zuzutrauen.

So etwas kann nicht gleichermaßen effektiv in einer zeitlich gestreckten Therapie funktionieren. Praktische Erfahrungen zeigen überdies, dass insbesondere in den Zeiträumen zwischen den Therapieeinheiten, d.h. z.B. während des gemeinsamen Spaziergangs oder Essens, therapeutisch sehr relevante Prozesse stattfinden, da in diesen Momenten die Anspannung aus dem Therapieraum plötzlich von allen Beteiligten abfällt. In einer systemischen Eigendynamik ergeben sich hier spontane Öffnungs- und Entwicklungsprozesse.

Durch die kurze Dauer (nominal 5-7 Tage) werden in kurzer Zeit extrem viele Themen bearbeitet. Den Klienten bleibt keine andere Wahl als sich sowohl der Schwere ihres Problems als auch der Attraktivität eines neuen, vom ständigen Trinken befreiten Lebens zu stellen. Das Erleben ist dabei sehr intensiv, die empfundenen Emotionen stark. Gerade bei Suchterkrankungen (oder deren Vorstufen) ist es wichtig den Wandel schnell und vollständig zu vollziehen. Verschleppt man diese, wie in der herkömmlichen Therapien üblich, über Wochen und Monate, kann die Hürde oft nicht genommen werden. Intensivtherapie & Coaching fokussiert den erforderlichen Willen und die Änderungsbereitschaft auf nur einen kurzen Zeitraum, um die große Hürde zu bewältigen. Daher ist es so wichtig, dass die Klienten aus ihrem gewohnten Umfeld befreit werden, damit mögliche Störeinflüsse (wie z.B. „Verführer“ zum Trinken) für die Dauer der Therapie eliminiert werden.

Ressourcen- und Lösungsorientierung

Im Ablauf der Therapie dient der erste Tag zunächst der vollständigen Analyse der Trink-Biographie und des bisherigen Trinkverhaltens, sowie dessen soziale Verstrickungen. Unter anderem wird erfasst, welche Anstrengungen zu Lösung des Problems bereits unternommen wurden und woran diesen gescheitert sind. Zudem wird versucht alle möglichen Trinkursachen und systemischen Wechselwirkungen zu offenbaren und festzuhalten. Sämtliche nützliche Ressourcen des Betroffenen (Fähigkeiten, Eigenschaften, Möglichkeiten) werden erfasst und deren die Einsetzbarkeit zur systemischen Schwächung der  Trinkursachen geprüft. Gescheiterte Versuche der Vergangenheit werden neu bewertet und dadurch relativiert, dass man mit dem Betroffenen deren Schwachstellen durchspricht und aufklärt, warum diese offenbar scheitern mussten. Am zweiten Tag werden alternative Methoden und Modelle vorgestellt und mit dem Klienten im Detail durchgesprochen. Ab dem dritten Tag befasst man sich dann intensiv mit der Erarbeitung individueller Lösungs- und Verhaltensstrategien für den Betroffenen und seinen Lebenspartner, der Erarbeitung eines „Notfallkoffers“ sowie der detaillierten Durchsprache sämtlicher zu erwartenden Komplikationen (siehe unten „Typische Komplikationen“). Der fünfte Tag ist für philosophischere, visionäre Lebensfragen reserviert. Wer oder was bin ich heute, wer oder was will ich morgen sein? Welche Ziele habe ich im Leben noch, welche Wünsche will ich mir erfüllen? Was gewinne ich, wenn ich meine Abhängigkeit überwunden habe? Was verliere ich dadurch vielleicht auch? Die konstruktivistische Perspektive ist für den Betroffenen essentiell: Ein altes Lebensmodell soll durch ein komplett neues abgelöst werden. Eine neue Lebensvision wird kreiert auf der Grundlage der an den Tagen zuvor geschaffenen Fundamente.

Das Vorgehen ist lösungs- und ressourcenorientiert. Dies bedeutet, dass in der Regel schnell nach effektiven Lösungen im System der Klienten gesucht wird, statt der Problementstehung allzu viel Aufmerksamkeit zu widmen. Bei der Lösungssuche wird versucht alle Fähigkeiten und Möglichkeiten (=Ressourcen) der Klienten zu nutzen, insbesondere solche, die diesen zuvor gar nicht bewusst waren. Ferner wird mit den Klienten über konstruktivistische Ansätze eine realistische Vision für ein lebenswerteres Leben „für die Zeit danach“ entwickelt.

Typische Komplikationen

In der Therapie mit dem Intensivtherapie & Coaching – Konzept ergeben sich häufig bzw. fast immer 3 typische Komplikationen, auf die man immer eingehen sollte und für die sich mindestens eine spätere Nachbetreuungssitzung anzuberaumen lohnt:

  1. Das Folgevakuum der weichenden Alkoholsucht
  2. Die Revitalisierung des Betroffenen
  3. Der zu erwartende „Rückblick“

Punkt 1: Wie zuvor angedeutet wird mit dem eingeleiteten Wandel des Trinkverhaltens ein altes Lebensmodell durch ein anderes ersetzt. Nicht mehr der zuvor allmächtige Alkohol steht im Zentrum des Lebens, sondern ganz andere Aufgaben und Themen, die entweder noch überhaupt nicht feststehen, oder Fähigkeiten erfordern, die in den „Trümmern der Sucht“ verschüttet wurden und lang verloren geglaubt waren. Alkohol besetzte viel Raum im Leben des Betroffenen. Wenn der Alkohol geht, entsteht zunächst ein riesiges „Folgevakuum“. Damit dieses Vakuum nicht Depressionen, soziale Isolation oder Angstzustände verursacht, die wiederum in die Alkoholsucht oder eine andere Sucht zurückführen, muss dieses nachhaltig gefüllt werden. Dem persönlichen Lebenssinn muss immer wieder, auch in etwaigen Nachbetreuungs-Sitzungen, große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Punkt 2: Genauso muss berücksichtigt werden, dass das „geeignete“ Füllen des Vakuums beim Klienten möglicherweise Kräfte und Ressourcen freisetzt, welche jahre- oder sogar jahrzehntelang „auf Eis“ lagen. Diese verursachen einen gewaltigen Veränderungsdruck im umgebenden System, der nicht nur erwünschte, sondern möglicherweise auch unerwünschte Auswirkungen hat. Zum Beispiel ist es nicht selten, dass bei betroffenen Männern die jahrelang verloren geglaubte Potenz oder das jahrelange sexuelle Desinteresse plötzlich wiedererweckt werden. Dies muss bei der Lebenspartnerin, die sich mit der Situation auf die eine oder andere Weise über die Jahre arrangiert hat, nicht notwendigerweise sofort auf Gegenliebe stoßen. Diese im Zusammenhang der sich zurückbildenden Abhängigkeit zu erwartenden Effekte würden wir unter dem Oberbegriff der „Revitalisierung“ zusammenfassen.

Punkt 3: Eine weitere Komplikation ist der zu erwartende Rückfall, den wir innerhalb des Intensivtherapie & Coaching – Konzeptes aber als „Rückblick“ bezeichnen. Das System des Betroffenen muss auf ihn vorbereitet sein, ja sogar damit rechnen um dann in geeigneter Weise zu reagieren. Panik oder unangemessener psychischer Druck durch das Umfeld sind hier nicht angebracht. Vielmehr sollte die Situation schnell und mit gebotenem Ernst offenbart und möglichst mit dem Therapeuten besprochen werden. Ein einzelner „Rückblick“ gefährdet noch nicht notwendigerweise den Erfolg der Therapie, sondern kann m.E. sogar als Indikator für deren erfolgreichen Verlauf angesehen werden. Wichtig ist, dass die Therapie schon am nächsten Tag quasi „unbeirrt“ wieder fortgesetzt wird. Die Erfahrung zeigt, dass ein einzelner Rückfall im ersten Drittel des Heilungsprozesses sehr häufig auftritt.